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Viola Jürgens
Viola Jürgens
| 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2002 2001 2000 1999 1998 - 1999 1996 - 1999 1997 - 1998 1996 1995 1994 1991 | Galerie Heubar, Basel Galerie Flora, Wyk auf Föhr ART PRAG Kunst Schaefer, Wiesbaden Schloss Reinbek, Hamburg - Reinbek Schloss Rimsingen, Oberrimsingen (mit Kay Jürgens) Schloss Reinbek bei Hamburg (mit Kay Jürgens) Regio Galerie Freiburg, Herrenstr. 46 Schloss Ebringen Großherzogliches Palais, Badenweiler Galerie GARTenhaus, Babenhausen Galerie Lauth, Mannheim Skulpturenpark am Adelhauser Platz, Freiburg 6 Künstler in der Werkstatt - Galerie, Freiburg Galerie im GARTenhaus, Babenhausen Galerie Lauth, Ludwigshafen Kunstmühle, Rosenheim Galerie Hyna, Rottach Egern Werkstatt - Galerie, Freiburg Galerie Hell, München Galerie LeonArt - Basel, Schweiz Werkstatt - Galerie, Freiburg Galerie im Hof - Baar-Zug, Schweiz Galerie am Colombi, Freiburg Galerie im ARTelier - Kirchhofen Einrichtungshaus Krämer, Freiburg Kunsthaus Freudenstadt Breuninger, Freiburg Werkstatt - Galerie, Freiburg Galerie coq rouge - Lörrach Kulturforum Emmendingen Kunstverein Löffingen Kunstverein Bahlingen Ual Smas, Oldsum - Föhr Cast Art - Düsseldorf BMW, Neu-Ulm Galerie an der Münsterbauhütte, Freiburg Galerie Form & Wesen, Ulm Kunstsalon Straetz, Freiburg Offenes Atelier v. Viola und Kay Jürgens Schlossgalerie - Vaduz, Liechtenstein Große Werkschau v. Viola und Kay Jürgens Mez-Fabrik, Freiburg Galerie Baumhauer - Tarasp, Schweiz |
Kultur Joker, Freiburg Voluminös und majestätisch räkeln sie sich in Liegestühlen, thronen auf niedrigen Sockeln oder präsentieren sich in selbstbewusster Marilyn Monroe Pose - die „Dicken Weiber” von Viola Jürgens. Ob in glänzender Bronze, Silber oder weißem Ytong - sie strahlen Lebensfreude, Sattheit und Zufriedenheit aus. Man spürt, wieviel Spaß es gemacht haben muss, so ungeniert ins Volle zu greifen, so befreit formen zu können. Von den kleinen kugelförmigen Köpfen bis zu den ausladenden zylinderförmigen Beinen und dem großzügig geschwungenen Hintern. Dicke Frauen waren schon immer mein Thema, sagt Viola Jürgens, die als Tochter des Kunstmalers und Bildhauers Hans Baumhauer schon von Kindesbeinen an mit Kunst aufgewachsen ist und mit ihm zusammen auch gearbeitet hat. Ihre dicken Frauen gestaltet sie nicht nach Modellen, und eigentlich geht es ihr auch nicht darum, eine Lanze für sie zu brechen. Würde sie abstrakte Formen bevorzugen, wären es wahrscheinlich auch voluminöse Figuren mit Rundungen und weichen Linien. | Ob Ton, Gips, poröser, leichter Ytong oder schwere Bronze - nicht das Material bestimmt die Schwere oder Leichtigkeit ihrer Skulpturen, sondern die Form und das sichere Gefühl für ihre bevorzugten Körperdimensionen. Sicher erinnert eine sitzende Figur in strahlender, spiegelnder Bronze an einen weiblichen Buddha, hat aber einen anderen Schwerpunkt. Doch selbst da scheint sich der Körper von seiner bodenständigen Anziehungskraft zu lösen. Und vielleicht ist es neben dem warmen Gefühl, das ihre Skulpturen vermitteln, vor allem die Genauigkeit, mit der sie einen Punkt trifft, an dem sich Anziehungskraft und Auftrieb gegenseitig aufheben. Da hat eine Künstlerin nicht nur ein Motiv gefunden, das sie in ihrer Kreativität ausfüllt, sondern auch eine traumwandlerische Sicherheit, es in jeder Position, in jeder Pose und mit jedem Material auf den selben Nenner zu bringen. Viola Jürgens Skulpturen sind nicht konstruiert, nicht entworfen, sondern entstehen unter ihren Händen, als wären sie schon immer da gewesen und hätten nur darauf gewartet, dass ihnen jemand Gestalt gibt. Kultur Joker |
Unbeschreiblich weiblich Paul Klock 22.11.05 Untrennbar ist Viola Jürgens mit den von ihr geschaffenen nackten Frauenkörper verbunden, die sie zärtlich respektlos „dicke Weiber” nennt. Ob in schlichtem Ytong modelliert oder aufwändig in Bronze gegossen - stets ist man wie frau versucht, über die runden Körperformen zu streichen oder zu streicheln, dem visuellen Augenschein den haptischen, taktilen Eindruck folgen zu lassen. Spätestens dann wird klar, dass es sich eben nicht nur um dicke Weiber, um „Femmes formidables” handelt, sondern um weiche, runde Formen, die nur über die Gesamtfigur, über Haltungen und Posen als Frauenkörper identifizierbar werden. | Mütterlich wirken sie, wie Fruchtbarkeitsgöttinnen aus einer anderen Kultur. Anschmiegsam und gleichzeitig autark räkeln sie sich selbstgenügsam auf Steinplatten, drehen eine Pirourette mit um den Kopf geschlungenen Armen oder ruhen gravitätisch wie eine Buddhastatue auf dem Boden. Sie strahlen Lebensfreude pur aus und dominieren die Szenerie, ohne eitel zu wirken. Man sieht ihnen an, dass sie nicht konstruiert sind, sondern unter den Händen der Künstlerin entstehen. Dass sie sozusagen gestreichelt auf die Welt kommen. In unzähligen Variationen geboren, nicht als Klon, sondern als Individuum. Sie erscheinen als Engel, als philosophische Denkerin, als Reinkarnation ewiger Weiblichkeit und sind dennoch vor allem eins: Aus Kuben und Kugeln gewachsene Weibsbilder, die es auch schon mal als in dreifache Ausfertigung „Die drei Grazien” gibt. |
Regioartline-Interview mit Viola Jürgens 22.11.2005 Regioartline: Frau Jürgens, Sie widmen sich in Ihrer künstlerischen Arbeit ausschließlich der bildhauerischen Umsetzung ausladender weiblicher Formen. „Dicke Weiber” nennen Sie diese zärtlich respektlos. Wie kam es zu dieser Konzentration auf ein einziges Motiv bzw. Sujet? Wollen Sie ihnen ein Denkmal setzen? Jürgens: Nein, ein Denkmal nicht. Wenn das in Bronze, Gips oder Eisen gegossen ist, ergibt das einfach eine schöne Oberfläche. Regioartline: Das heißt, das Taktile, das Haptische ist nicht weniger wichtig als die Form? Jürgens: Ja, man muss die Figuren anfassen, um das Weiche und Runde dabei spüren zu können. Oft fragen die Besucher, ob man die Figuren anfassen darf, und ich antworte dann, dass man es sogar sollte, weil erst dann die Figur mit ihren ausgeprägten Formen erfassbar wird. Regioartline: Sie zeigen diese Figuren in allen möglichen Positionen, Haltungen und Posen. Entstehen diese in Ihrer Vorstellung oder verwenden Sie Modelle dafür? Jürgens: Im Grunde entstehen Sie aus dem richtigen Leben. Das kann beispielsweise eine Frau sein, die sich aus dem Fenster lehnt und mir die Idee dafür gibt. Das kann aber auch ein Mann sein. Diese Zufallsmodelle müssen auch nicht die Formen meiner Dicken Weiber haben, es geht mir dabei mehr um eine bestimmte Haltung, eine bestimmte Pose, die bei mir hängen bleibt und mich dann bei der eigentlichen Arbeit inspiriert. Regioartline: Ähnlich variantenreich sind auch die Materialien, aus denen Sie Ihr Lieblingsmodell schaffen. Ob Bronze, Eisen, Gips oder Ytong. Wie entscheiden Sie, welches Material Sie verwenden? Jürgens: Am liebsten arbeite ich mit Ytong, weil er leicht zu bearbeiten ist. Allerdings verzeiht er auch keine Fehler, das heißt, ein falscher Schnitt lässt sich nicht mehr korrigieren. Wenn man Ytong anfasst, ist das ein bißchen so, als würde man Haut anfassen. Das liegt vor allem an der Porigkeit des Materials, das ihm einen sehr lebendigen Ausdruck verleiht. Wenn mir dann eine Figur in Ytong besonders gut gefällt, überziehe ich sie mit Gips, damit sich die Poren schließen, um sie danach in Eisen, Bronze oder Beton zu gießen. Regioartline: Formal berühren Ihre Arbeiten sowohl das Figürliche wie das Abstrakte. Denn es ist nicht zu übersehen, dass Ihre Dicken Weiber aus mehr oder weniger regelmäßigen geometrischen Formen wie Kuben und Kugeln entstehen. Damit bewegen Sie sich in zwei normalerweise völlig verschiedenen künstlerischen Formensprachen. Jürgens: Für mich sind solche Fragestellungen nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, ob das Ergebnis stimmt. Das heißt, ob das Material angenehm ist und die ganze Figur stimmt. Regioartline: Haben Sie durch Ihre ausschließliche Ausrichtung auf ein Motiv nicht das gefühl, sich vielleicht zu sehr zu beschränken? Jürgens: Überhaupt nicht, da mir bei diesem Motiv unendlich viele Möglichkeiten bleiben. Sowohl was das Material betrifft als auch die Bewegungen und Posen der Figuren. Regioartline: An kleine dicke Männer haben Sie noch nicht gedacht? Jürgens: Das wäre etwas problematisch, weil der wichtigste Teil immer in Gefahr ist, abzubrechen, vor allem beim Ytong. Nein, im Ernst, ich habe mir diese Frage gar nicht so richtig gestellt, weil es mir keinen Spaß gemacht hat, etwas anderes auszuprobieren. Ich habe es zwar versucht, es dann aber wieder aufgegeben. Regioartline: Das heißt, wenn man Sie auffordern würde, einen Strich zu zeichnen, würde bei Ihnen automatisch ein Kreis daraus. Jürgens: (lacht) Ganz sicher. Es drängt mich zum Runden. Regioartline: Sie haben auch noch nicht versucht, die Bevorzugung Ihres Motivs psychologisch zu deuten. | Jürgens: Nein, das überlasse ich den Betrachtern, die allerdings tun das schon. Regioartline: Würde man nicht wissen, dass es sich bei Ihnen um moderne abendländische Kunst handelt, ließen sich Ihre Figuren auch als Kultfiguren, z.B. als Fruchtbarkeitsgöttinen lesen. Protest, Einspruch oder Zustimmung? Jürgens: Irgenwo auch Zustimmung. Vor allem wegen der Göttinen. Weiber haben nun mal eine ganz eigene, sehr freudige Ausstrahlung, die, glaube ich, auch etwas bewirken kann. Das sagen mir viele. Regioartline: Aprospros Kommentare. Wie äußern sich Rezipienten zu Ihren Arbeiten? Sind sie für manche vielleicht unanständig? Jürgens: Überwiegend positiv. Es gibt natürlich immer welche, die das gar nicht verstehen. Die meinen, ich würde Frauen damit kritisieren oder persiflieren, was aber überhaupt nicht mein Bestreben ist. Zumal meine Dicken Weiber ja auch Mut machen können, weil sie zeigen, dass dick sein auch schön sein kann. Regioartline: Gibt es für Sie als Künstlerin auch eine Zeit nach den Dicken Weibern oder werden Sie ihnen treu bleiben? Jürgens: Das kann ich jetzt noch gar nicht sagen. Vielleicht mache ich irgenwann etwas ganz anderes. Aber im Moment bin ich noch sehr zufrieden mit meinem Motiv, da ich immer wieder neue Aspekte daran entdecke. Das Arbeiten ist für mich nicht etwas, was mir Energie nimmt, sondern eher so etwas wie Urlaub. Man hat dabei seine Ruhe, und es entsteht etwas, was man gerne macht. Also Erholung pur. Das einzige, was ich mir machmal wünsche, ist, bei einer Arbeit so lange dran bleiben zu können, bis sie sozusagen in einem Rutsch fertig ist, was wegen der anderen Aktivitäten meist nicht möglich ist. Regioartline: Als Tochter des bekannten Malers und Plastikers Hans Baumhauer, der außerdem mit Glasarbeiten auf der ganzen Welt vertreten ist, wurde Ihnen die BIldende Kunst sozusagen in die Wiege gelegt. Sie haben ihn auch oft bei seinen Projekten tatkräftig unterstützt. Welchen Einfluss hatte er auf Ihre künstlerische Arbeit? Jürgens: Mein Vater hat mich schon dadurch unterstützt, dass ich immer in seinem Atelier sein durfte. Ich hatte dort auch alle Materialien zur Verfügung. So bin ich aufgewachsen. Und als mein Vater gesehen hat, dass ich künstlerisches Geschick habe, hat er mich ermuntert, weiterzumachen. Als ich dann meine ersten Dicken Weiber modelliert hatte, riet er mir, sie in Bronze gießen zu lassen. Das habe ich dann gemacht. Regioartline: Es stellte auch für Sie keine Belastung dar, einen Künstlervater zu haben, an dem man sich unter Umständen auch misst? Jürgens: Überhaupt nicht. Er half mir, wo er konnte. Regioartline: Sie führen seit 2001 mit Ihrem Mann Kay Jürgens, der in seinen bildhauerischen Arbeiten sowohl formal als auch inhaltlich einen völlig anderen Weg verfolgt, die Werkstatt-Galerie. Welche Ausrichtung hat diese und inwieweit kommt die Galeriearbeit auch Ihrer künstlerischen Arbeit zugute? Jürgens: Die Galerie haben wir aus der Erfahrung gegründet, dass unbekannte Künstler es besonders schwer haben, Ausstellungsmöglichkeiten zu finden. Mittlerweile haben wir 18 Ausstellungen durchgeführt mit ganz unterschiedlichen Künstlern, bekannten wie unbekannten. Am Anfang kamen sie vor allem aus der näheren Umgebung, doch inzwischen streut sich das sehr. Regioartline: Spielen dabei private Kontakte eine Rolle? Jürgens:Zum Teil sind es private Kontakte, doch wir bekommen auch viele Bewerbungen. Regioartline: Herzlichen Dank. |
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